Sonntag, 24. Juli 2011

Amy, Norwegen, ..

Amy Winehouse hat es geschafft!

Den Nachrichten zu Folge, wurde sie gestern nachmittag in ihrer Londoner Wohnung tot aufgefunden.. Zwar wird sie wohl noch obduziert, aber ich denke nicht, dass außer Alkohol, Tabletten und Drogen noch weitere Fremdeinwirkungen eine aktive Rolle gespielt haben. 27 Jahre, einmalig talentiert, trotz ihrer Ausschweifungen beliebt und berühmt, nicht unvermögend und wohl sehr unglücklich. Hatte sie Freunde?

Sie hat sehr lange zielgerichtet daraufhin gearbeitet. Jämmerliche Bilder ihrer letzten Konzerte. Sie lallte und grölte, torkelte über die Bühne, fiel dort auch schon mal in einen tiefen Schlaf, an ihre Texte erinnerte sie sich nur noch lückenhaft, ansehnlich war sie ebenfalls nicht mehr.. Auf mich machte sie schon lange den Eindruck, dass sie das Leben nur als Last und Strafe empfunden hat.

Sie war immer der Meinung, dass sie keinen Entzug und keine Therapie benötigt. Wahrscheinlich hatte sie zu große Angst vor ihrem Leben. Zwar hatte sie es lt. Presse hin und wieder einmal in einer Klinik versucht, jedoch wohl nicht mit dem nötigen Ernst und Willen. Wie gesagt: ich glaube nicht, dass sie leben wollte - ich bin überzeugt davon, dass sie sich selbst schon vor sehr langer Zeit aufgegeben hat.

Ganz anders die Opfer des Attentäters in Norwegen. Alleine in Utöya wurden 85 junge Menschen, die ihre Ferien, das Zusammensein, ihr Leben genießen wollten, hingerichtet. So viele junge Menschen - durch die Hand eines einzigen Mannes für immer ausgelöscht.

Aber 67 Jugendliche haben bisher überlebt. Sie haben sich versteckt, sind geflüchtet, sind ins kalte Wasser gesprungen, .. haben um ihr Leben gekämpft!

Für vier Familien gibt es noch Hoffnung, dass ihre Kinder gefunden werden. Wenn die Wahrscheinlichkeit auch nicht sehr hoch ist, es ist nicht unmöglich.

Um welchen Preis jedoch, das werden die Jahre zeigen. All unsere Solidarität und unser Mitgefühl wird den traumatisierten jungen Menschen und ihren Familien nicht wirklich helfen.

Ich hoffe sehr, dass keiner von ihnen seinen Lebensmut und -willen verlieren wird.

PS: Täter soll auf eine mögliche psychische Erkrankung hin untersucht werden.

Freitag, 22. Juli 2011

Der Bastler - Episode 1

Kommt mal wieder einer der tapferen Bastler in das Fachgeschäft für Weiße Waren...

Er ist ein klein wenig über den Beginn seiner Rentenzeit hinaus, schlurft in lustig ausgetretenen Biopantoffeln und ausgebeulten Markentrainingshosen (die hat er sicherlich mit D-Mark bezahlt) durch den Laden. Der Rücken ein wenig gebeugt, im Gesicht braun gebrannt, dunkle Knopfaugen, ein wenig schlemisch lächelnd, das Haar sehr kurz, die Strickjacke (wohl von einem der so beliebten Märkte östlich unserer Grenzen) im 80er-Jahre-Chic, darunter ein gebügeltes weißes Hemd - so steht er mit ernster Mine vor dem Verkäufer.

Seine Geschichte ist relativ schnell erzählt, wobei er das garantiert ein wenig differenzierter sehen wird :) seine Waschmaschine begann ihren Streik vor drei Wochen. Der Basteler sah es als seine Pflicht, dieser wieder höchst selbst in die Gänge zu verhelfen. Der Schuldige war schnell ausgemacht - der Schalter. Diesen baute er aus, lies sich vom Fachhandel einen neuen kommen. Da alles nicht so ging, wie man(n) sich das gewünscht hatte, wurde der Schalter noch einmal per Garantie umgetauscht. Der Fachhändler von heute ist eben noch sehr kulant. Übrigens ist der Verkauf von Ersatzteilen in der Branche durchaus nicht üblich.. Nicht nur aus "egoistischen" Gründen ist das so, sondern weil der Händler doch viel Aufwand und unter Umständen nur Scherereien haben kann.

Der neu in die Waschmaschine eingebastelte Schalter jedoch, versah seinen Dienst sehr übereifrig. Allerdings konnte dieser nichts dafür, denn er kann nur das tun, was die Technik ihm befiehlt. Und so schaltete er nicht auf geforderte 30 Grad, sondern kochte emsig Omas Wollstrümpfe und Strickjacken. Oma machte dann ihrerseits dem Bastler ordentlich die Hölle heiß. Dieser wiederrum baute den Schalter erneut aus und begab sich auf den Weg zum Fachhändler seines Vertrauens.

(Da ich Grund zur Annahme habe, dass meine Geschichten nicht nur von technisch begabten Menschen gelesen werden, die hier übrigens lediglich in geringer Zahl vertreten und 100%ig männlichen Geschlechts sind, erspare ich uns die entsprechenden Details, liebe Mädls.)

"Nu Meestor, schätzdä binsch ma wiedor hier - das dinkxs gid nähmle ni..!"

"Na heu, was funktioniert denn da nicht?"

"Nu dor Schaldor had dä Bäddsoggn von meinor Frau gägucht - die sinn schätzdä sooo lang..", er deutete dabei gestisch die Entfernung vom Boden bis zur Hüfte an. "Sä gännsch vorställn, wie dä Ollä mir dä Ohrn abegnaubld had.."

Was folgt, ist das männlich wissende beidseitige Grinsen, und das ausgibig.

"Jah, Hr. Bastelwastel, was ham se denn da mit dem Schalter gemacht?"

"Na nüschd, nur eigebaud - ar das Dehl (= das Teil) is kabbudd. Das ham sä mir zwar gägähm, ar da willsch ä neies, das war schun kabbudd. Immorhin habsch s aus dor Diedä genumm un s eigebaud - isch hab nüschd dran rum gämährt odor ärschnd äwas..", und schüttelt mit dem Kopf und nickt und schaut unschuldig drein.

Der Händler nimmt dem Rentner den Schalter aus der Hand, testet und prüft. Beide haben in der Zwischenzeit Platz genommen..

"Hr. Bastelwastel, der Schalter kann auch nicht gehen. Sehen Sie, hier sind die ..elemte entfernt wor.."

".. nee nee", wurde der Verkäufer energisch unterbrochen. "Ich hab da gar nüschdä dran gemachtd. Ich hab dännä so wie der war eigebaud. Das Ding habsch gar ni uffgemochd odor so äwas, nee nee!"

Der Fachmann beginnt mit einer Einführung in die Anatomie des Schalters. Dabei blickt er sachlich, aber geduldig lächelnd in die Bastelwastelsche Unschuldsmine. Die Argumentation endet mit dem Fazit: da hat sich jemand dran versucht. Und wenn es nur zum Zwecke der Neugierbefriedung war.. Der Schuldige kann nur vermutet werden, denn Hr. Bastelwastel war es auf gar keinen Fall!

Ein letztes Mal bekommt der Hr. Bastelwastel ein Ersatzteil mit. Der Händler bittet um ein paar Minuten Geduld, weil er da ein wenig suchen muss. König Kunde ist es recht. Er parkt in der Zwischenzeit sein Auto um - so spart er 20 Cent Parkgebühr für eine Stunde. Indes der Händler versiegelt den Schalter, sodass der Bastler nicht ohne Weiteres den Schalter öffnen kann. Sollte er das tun, würde man dann die Spuren unweigerlich erkennen.. Davon weiß der Bastelfreund aber nichts. Glücklich geht er mit dem Schalter davon.

Herr Bastelwastel rief gerade im Laden an, denn, wer hätte es vermutet, auch dieser Schalter sei "so rischtsch forn Schrubbor!".

".. dänn muss dor Schäff ährschnd äwie äwas vordauschd ham..", und das aller Beste: ".. sinn sä froh, dass ich da wor, sonsdä häds mir hier dä Budä abgefaggld!"

"Bringen Sie doch bitte den Schalter unbedingt mit, wir schauen uns das an."

Wer da nicht glücklich sein wird? Kleiner Tip: der Fachmann wirds nicht sein. Wenn seine Majestät der Kunde selbst am Werkeln ist, dann übernimmt er natürlich auch die Haftung. Es sei denn, er hätte tatsächlich ein defektes Ersatzteil erhalten. Hat er aber nicht! Bisher hat Hr. Bastelwastel den Schalter noch nicht vorgelegt. Die hoch geschätzt 70 € Reparaturkosten vom Fachmann mit Service und Garantie ersetzen eben noch lange nicht das Bastlerglück.

Man darf gespannt sein und noch ein wenig bleiben auf den Ausgang der Geschichte. Denn Herr Bastelwastel möchte ab morgen ein wenig ausspannen. Dazu bereist er die nördlichen Gefilde unserer bunten Republik. Er hat schon sehr Sehnsucht nach seinem Wochenendgrundstück und "will ma widdor ä bohr Dochä ausspann´un ä biddl mid meim seeschlbood nausfohrn.."

Reisende soll man bekanntlich nicht aufhalten :)

Samstag, 16. Juli 2011

... über tickende Zeitraffer

Mir ist da mal was eingefallen .. als ich einen Bericht gesehen hab (:D) über Menschen, die unheimlich viel Geld für Uhren ausgeben.

Es gibt ja da nach oben gar keine Grenzen mehr! Klar, vom Kitsch bis zum Wunderwerk ist alles dabei. Ich bin fasziniert von der Präzision, der handwerklichen Kunst, dem Gespür der Designer.. Vor längerer Zeit waren wir auch einmal in einem Uhrenmuseum im Harz. Uhren für jeden Anlass haben wir gesehen: zum Ablesen der Zeit, zur Unterhaltung für die ganze Familie, zur Erinnerung an Wald und Flur und schöne Tage, zur Kontrolle der Arbeitszeit, als Luxusgegenstand zum Protzen und angeben, zur Dekoration, .. wie gesagt: ich spreche über Uhren!

Ich selbst habe es nicht so mit der Zeit. Mir kann eine Stunde zur Minute werden, die Minute kann mich auch ein Jahr kosten.. Die Zeit ist eine Erfindung der Menschen. Nicht einmal der Teufel konnte so gemein sein. Wenn man beginnt, über die Zeit nachzudenken, fallen einen alle möglichen Dinge ein, philosophische Betrachtungen, Lebenswege und Ereignisse - doch nie bringe ich die Zeit in Verbindung mit einer Uhr.

Überall will der Mensch die Zeit erfassen, sie sehen: es gibt Kirchturmuhren, Rathausuhren, Schuluhren, Uhren auf vielen Öffentlichen Plätzen, Bahnhofsuhren, Stechuhren, Stoppuhren, Taschenuhren, Zeitschaltuhren, Armbanduhren, mechanische Uhren, digitale Uhren, Miniuhren, Sonnenuhren, Uhren zum selber bauen, Sanduhren, Eieruhren, Kaminuhren.. das sind nur die, die mir auf Anhieb einfallen.

Eine zeitlang habe ich mich bei Freunden, in der Familie und auch so mal etwas bewusster umgeschaut, wer wo überall Uhren besitzt. Fast alle Menschen haben im Wohnzimmer wenigstens eine Uhr hängen oder stehen, ebenso in der Küche und im Schlafzimmer, in der Diele, aufm Flur... Selbst im Gartenhäuschen und in Kinderzimmern kann man sie finden. Zeig mir auch das Auto, in dem es keine serienmäßig zur Ausstattung gehörende Uhr gibt. Heute kannst du die Zeit auch überall ablesen, wenn du den Rechner, das Handy, Wiedergabegeräte (DD, DVD, MP3 usw.) oder den Fernseher eingeschaltet hast. Etwas neuer, aber auch so fragwürdig für mich ist die Uhr am Kühlschrank.

Ältere Menschen (auch die in unserer Familie) verfügen alleine im Wohnzimmer über mindestens eine unübersehbare Uhr, die mit Gong, Glockengeläut oder mittels Kuckuck die Splitter der Stunden runterzählen.

So einen Count-down möchte ich auf gar keinen Fall in mein Leben lassen. Warum soll ich ständig auf die Vergänglichkeit hingewiesen werden? Wieso sollte ich bei allem, was ich gerade tue oder lasse unterbrochen werden, nur um der Zeit zu gedenken, die gerade vergangen oder eingeläutet wird?! Das macht mich doch nur irre und nervös! Gerade in den Räumen, in denen ich mich entspannen möchte, kann ich diesen Hektik und Panik verbreitenden Unsinn absolut nicht gebrauchen.

Oder denken wir mal an die kleinen nervigen Tick-Tacks, die zwar niedlich aussehen können, jedoch die Minuten und Stunden sekundenweise lautstark abzählen - das nimmt einem doch jede Ruhe! Wozu braucht der Mensch so etwas?!

Früher hatte ich so einen Wecker, da war ein springender Frosch drauf, der im tickenden Takt gar lustig mit den Augen wackelte. Das Ding hatte mich permanent die halbe Nacht mit seinem schwerfälligen Tick-Tack am Einschlafen gehindert und andererseits ständig an das zeitige Aufstehen erinnert und gemahnt. Morgens, ich hatte das Gefühl, gerade erst eingeschlafen zu sein, rammelte der Klöppel zwischen den beiden glänzenden großen Schellen erbarmungslos hin und her - jeden Morgen der gleiche Schock um 4.30 Uhr! Erstaunlicherweise weckte das Getöse damals nicht die halbe Nachbarschaft mit auf... Übrigens verdankte das nervige Ungeheuer sein Überleben dem niedlichen Frosch. Ich hätte ihn wirklich nur allzu gern gegen die Wand oder aus dem Fenster geworfen.

Habe ich mich doch auch aufgemacht durch unser Häusl auf der Suche nach Uhren - ja, ich habe wirklich gesucht. Folgende Beute kann ich benennen: wir haben einen Radiowecker im Schlafzimmer, Handy-integrierte Zeitmesser, aufm Laptop ist eine Zeitanzeige und in den Autos .. und eine noch an der Mikrowelle, d.h. wenn die mal angeschaltet wird..

Ich persönlich besitze schon lange keine separate Uhr mehr. Eine Armbanduhr baumelt lediglich am Handgelenk meines Blaumännchens.. unser Töchterchen ist ohnehin fern jeder Zeit seit sie mit dem Studium begonnen hat und unser Katerchen bekommt sein Futterle ohne Rücksicht auf den Turmschlag.

Mir war noch nie so bewusst, dass ich diese tickenden Zeitraffer dermaßen verabscheue.

... und der Teufel staunt neidisch über die gemeinste Erfindung der Menschen...

Mittwoch, 29. Juni 2011

Finstre Löcher!

Woher kommt der doofe Spruch: " .. sich ein Loch in den Hintern freuen.. "?!

Nun ja, man könnte jetzt durch das weltweite web wandern.. aber: warum denn in die Ferne schweifen, wenn es gute Freunde gibt? Einer, der von sich behauptet, ein echtes A****loch zu sein.. Gut, er meint auch, er würde sich den A**** aufreißen für alles mögliche, .. aber er meint zur seiner aktuellen Situation, dass er ganz schön am A**** wäre - da allerdings gebe ich ihm uneingeschränkt Recht! Oder anders ausgedrückt: man hat ihm so richtig den Hintern ausgeleuchtet..

Ein Kerl in den mittleren Jahren, bedienstet und relativ gut dekoriert bei der Bundeswehr, mit etlichen Arbeitsjahren aufm Buckel beim Bund und entsprechend ent-enthusiastisiert, hat ab und an am Hintern ein Zwicken und Kratzen. Dieses wird mit der Zeit immer unangenehmer und aufdringlicher. Irgendwann ist es auch garstig schmerzhaft und hindert ihn an der Ausführung normalster und natürlichster Vorgänge. Er tut, wozu er sich gezwungen sieht: er besucht den Arzt seines Vertrauens.

Die unappetitlichen Details der Untersuchungen lassen wir mal weg. Nur so viel: die Kratzspuren seiner Fingernägel auf der Wand neben dem Untersuchungsstuhl dürften noch eine ganze Weile sichtbar bleiben.. Wichtig ist das Ergebnis: ein Abszess! So schnell es eben ging, musste er ins Krankenhaus, das fiese Gewächs war wohl schon recht gut unterwegs, wurde auf die OP vorbereitet und erwachte dann irgendwann im Krankenhausbüsserkittelchen (hinten offen!) mit einem zweiten "Loch im Hintern":) Passiert nicht alle Tage und hat auch nicht jeder.

Da er sich ja nun auch so in den Jahren bewegt, in denen man(n) schon sehr kreativ sein muss, um die Damenwelt von sich begeistern zu können, war es für ihn schon eine kleine Annehmlichkeit, dass die ihn umschwirrenden Schwestern jung und niedlich daher kamen. Nur leider waren die Anlässe weniger schön: die eine Süße brachte die Ente. Die verjagte er gleich, da war sie noch nicht einmal über die Schwelle getreten. Die andere haselnussäugige Mitzwanzigerin brachte das Desinfektionsmittel und Verbandszeug. Da er ja auch nicht ewig dort bleiben wollte, musste er sich also doch die Höschen ausziehen und sich, die Zähne tief ins Kissen verbissen, "befummeln" lassen.. Er hatte kurioserweise keinen Nerv auf zotige Fantasien in Schwesterntracht. Wohl ein völlig überflüssiges Zeichen dafür, dass es ihm wahrhaftig nicht gut ging.

Zur Visite erschienen so um die 15 weiß bekittelte schöne junge Menschen, diensteifrig und klug schwätzend, mit ihrem Chefarzt zur Visite, die alle ein fettes Grinsen auf dem Gesicht hatten. Die feixten bestimmt nur so glücklich, weil sie an dem A**** mit Ohren ordentlich was lernen durften ;)

Der Patient nahm es ebenfalls mit Humor. Nur leider durfte er sich nicht aussuchen, wer ihm den "Stöpsel ziehen" durfte - und das als Privatpatient! Den Zuschlag erhielt eine langhaarige, südländische Schönheit mit den Maßen 90-60-90 - der bevorzugte Kanditat des Patienten wäre bei der Auswahl eindeutig der Pförtner gewesen. Dieses mit Klugheit und Schönheit bedachte circenhafte Wesen durfte dem Leidenden die Tamponade entfernen. Sie tat es - wahrscheinlich um den anderen die manuelle Technik zu demonstrieren - schööhöön laaaangsaaaam.. Einen Schmerzensschrei verbiss sich unser Herr Stabswebfeudel in Anbetracht der jungen Schar um sich herum.. aber das muss wohl so richtig heftig weh getan haben.. autsch!

Der Gebeutelte wurde alsbald entlassen. Aller Vernunft zum Trotze meinte er, er könne dann nach einer Woche zu Hause mal wieder arbeiten gehen. Die Wunde, das noch immer pflegebedürftige zweite Loch, war noch nicht verheilt. Also nahm er sich vor, es auf Arbeit ein wenig langsamer anzugehen. Wie auch immer er sich das vorgestellt haben mag - als Ausbilder, der seine Jungs mit Gerät und Bau einweisen muss - wie kurz man(n) da auch treten kann..

Für die Truppe war es sicherlich sehr lustig, sich mit dem Vorgesetzten über sein "zweites Loch im Hintern" und über Damenhygieneartikel, die er zur Pflege benötigt, zu unterhalten. Die Fantasien der Jungs machten noch nicht einmal vor dem Gedanken halt, dass der Hr. Vorgesetzte sich jetzt wohl auch hochschlafen könnte :D Auch als man sich der berufsbedingt nassen Kleidung entledigte, war es für die meisten der jungen Soldaten ein unvergesslicher Anblick: der (relativ ranghohe) Ausbilder im rosa Blumenschlüpfer seiner Frau mit Vorlage in XXL..

Keine Ahnung, wer den armen Kerl jetzt noch ernst nehmen kann :)

Es hat sich jedenfalls nicht gelohnt - die Wunde wollte ihre Ruhe haben.. das signalisierte sie ihm so deutlich, dass er ein zweites Mal operiert werden musste. Jetzt ist das zusätzliche Loch am Allerwertesten noch größer und sensibler als vorher..

Momentan rekonvalesziert er zu Hause vor sich hin, nervt seine Familie, klaut seiner Frau die Schlüpfer und Vorlagen, prüft sämtliche Damenhygieneartikel und steht im regen Erfahrungsaustausch darüber mit seiner Frau, er ist leidlich und googled sich alles, was er über Abszesse finden kann. Jedes Detail, das man über dieses Thema wissen kann, weiß er. Er weiß jetzt aber auch, dass alles noch schlimmer werden könnte - doch ist das wirklich ein Grund, sich ein "Loch in den Hintern zu freuen"?

An die Armleuchter dieser Welt:

Gute Besserung!

:D

Jubilate!

Aus gegebenem Anlass steht frau mal wieder vor dem Spiegel und bemüht sich, die Schäden, die der Zahn der Zeit in ihr Gesicht gekaut hat, weg zu bügeln.. wie die meisten sicherlich aus eigener Erfahrung wissen: mit mäßigem Erfolg.

Vom vielen Staunen und Zweifeln haben sich tiefe Linien in Stirn und zwischen den Augenbrauen eingegraben. Leider kann ich mich nicht mehr an jede einzelne Situation erinnern.. muss aber ne Menge Anlässe gegeben haben.

Um Augen und Mund sind ähnlich den tiefen Furchen aufm Acker kraftvoll und dynamisch die Lachfalten schwungvoll eingraviert - genau genommen dominieren sie mein Gesicht :) Ja, da muss ich lachen - es ist paradox: lachen soll ja gesund sein und jung erhalten, dass es aber zu einer derartig unübersehbaren Derangierung des Hautbildes führen kann, davon war nie die Rede!

Es könnte ja viel schrecklicher sein: Sorgen- und Ärgerfalten wären viel schlimmer! Ein Antlitz gezeichnet von Trauer, Gram und Leid .. von Drogen und Alkohol .. von Missgunst und Neid.. von Unzufriedenheit und Angst .. Davon gibts bei mir keine Spur!

Das ist der Vorteil, wenn man altert - alles scheint sich zu relativieren, Geduld - das ewige Mysterium für junge Menschen - wird gelebt und nicht nur gepredigt.. die Welt wird bunter, die Nuancen sichtbarer ebenso wie die Gedanken.

Auch wenn die Uhr schneller zu ticken scheint, nimmt frau sich mehr Zeit für so einige Dinge, verschiebt sie sogar, um sich genügend Zeit nehmen zu können dafür. Zeit erhält einen völlig anderen Stellenwert, sie wird immer wertvoller.

Woran es liegt, weiß ich nicht. Bemerkt habe ich es auch nicht wie sich das alles entwickelt hat. Je länger ich drüber nachdenke: Tief in mir bin ich gelassen und glücklich. Warum sollte das nicht jeder sehen dürfen?

Wäre es wirklich schön, in der heutigen Zeit 20 zu sein? Aus meiner Sicht nicht! Dann wäre ich in diesem kranken System aufgewachsen - wie würde ich dann in 22 Jahren aussehen?! Och nö!

Zwangsläufig wird morgen mein Alter thematisiert werden.. Familie und Freunde werden mich mit lieben Wünschen und Grüßen mietzeln oder auch ein wenig piesacken :) und ich werde gelassen strahlen.

Das Geheimnis dafür werde ich heute lüften:
Es gibt ein Alter, in dem eine Frau schön sein muß, um geliebt zu werden, und dann kommt das Alter, in dem sie geliebt werden muß, um schön zu sein.
Françoise Sagan (*1935), eigtl. Françoise Quoirez, frz.
Schriftstellerin


Mehr bei Zitate & Sprüche Alter - gedichte-garten.de auf www.gedichte-garten.d



" Es gibt ein Alter,
in dem eine Frau schön sein muss,
um geliebt zu werden.
Und dann kommt das Alter,
in dem sie geliebt werden muss,
um schön zu sein."
Es gibt ein Alter, in dem eine Frau schön sein muß, um geliebt zu werden, und dann kommt das Alter, in dem sie geliebt werden muß, um schön zu sein.
Françoise Sagan (*1935), eigtl. Françoise Quoirez, frz. Schriftstellerin

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Francoise Sagan

Samstag, 21. Mai 2011

Besuch

Gerade hätte sich auf unserem Hof beinahe ein schwerer Unfall mit Todesfolge ereignet.

Mein Bäggor steht aufm Dach und deckts ein. Klar, da hat er keine Zeit auf Details zu achten - da fliegt schon mal das eine oder andere mehr oder weniger gewichtige Ding runter. Und nein: wir haben keine Sicherheitsnetze angebracht - die Männer waren der Meinung, das brauche man(n) nicht! frau siehts natürlich anders, kraucht aber auch nicht da oben rum (zumindest nicht zum arbeiten - schöne Fotos hab ich gemacht.)

Irgendein schweres Werkzeug rutschte meinem Liebling aus der Hand und schlug mit lautem Knall im Hofpflaster ein. Da ich gerade mal wieder am putzen war, hatte ich das gehört, aber da ich weder Laute noch eiliges Getrappel vernehmen konnte, hatte sich das auch gleichwieder erledigt für mich. Keine zwei Minuten später klingelte es Sturm. Sofort rannte ich hinunter, da hörte ich meinen Mann reden.. "Hats wohl doch jemanden getroffen? Bitte nicht!", schoss es mir durch den Kopf.

An der Haustüre angekommen, stand mein Blaumännchen alleine im Hof und schwallte einen Schwachsinn, wie z.Bsp.: "Da musst du schön aufpassen!", "Beinahe wäre es vorbei gewesen, da hätteste uns Weihnachten keine Freude mehr machen können..", "Nana, schön vorsichtig, pass auf.."! Ich schaute ihn an, dachte: So warm isses doch heute gar nicht..

"Um ein Haar wäre es passiert" sagte er und zeigt lachend auf den großen Trümmerhaufen (Regenrinne 12 m, kleingeschnitten, alte Abdeckungen, Holzlatten in versch. Größen mit und ohne Nägel - also alles, was an Blech, Eisen und Zinkteilen übrig bleibt bei so einer Dachsanierung) - ich guckte und sah was wackeliges Gelbes. Es war klein, bewegte sich und hatte - ich konnts nicht glauben - Watschelfüße!

Da hatte sich doch allen Ernstes ein Gänsejunges auf unseren Hof verirrt. Es watschelte zufrieden quackernd über unseren Hof, rauf auf die alte Dachrinne, drauf auf den Balken, rüber, über ein anderes Blechteil, da wieder runter und aufs Pflaster.. es wackelte mir entgegen und schnatterte in einer Tour.. Wir waren natürlich gerührt. Stolz berichtete mir mein Blaumännchen über das unbeabsichtigte Beinahe-Attentat und freute sich, dass das Küken das unbeschadet überlebt hat.

Das Kleine hatte auch überhaupt gar keine Angst: es kam auf uns zu, unterhielt sich mit uns, latschte wohlgemut in alles rein und drüber, und selbst als wir es "einsammeln" wollten, ehe es sich vielleicht verletzen konnte, war es noch immer schnatternd und voller Zuversicht. Leicht einfangen ließ es sich natürlich nicht.. wir kamen uns vor wie in so nem albernen Film, in dessen Ablauf irgendwer so nem blöden Huhn hinterher jagd.. ganz so schlimm war es nicht, aber eben nicht gerade wiederstandslos.

Mein Held machte sich als auch Kükenfänger ganz gut :) Als ich das gelbe Gänseküken dann ins Handtuch gewickelt hatte, war es ganz warm und schmiegte sein Schnäbelchen an meine Brust.. hach nö, so was süüüüüßes..

Nachdem wir überlegt hatten, woher es gekommen sein mag, stiefelte ich mit unserem Besucher los. Ich hatte es so ins Handtuch eingewickelt, dass es seine Flügelchen nicht verletzen konnte.. denn so richtig einverstanden schien es dann doch nicht mit dem plötzlichen Ende seines Ausfluges :) Wie ein Baby trug ich es die Straße zum Feld hinauf.. natürlich diskutierte es mit mir. Dann hielt ich es etwas höher und kuschelte meine Nase in sein nicht ganz so weiches Gefieder. Diese Schmuserei schien ihm zu gefallen, es schmuste mit..

Am Feld traf ich unsere Nachbarin - sie nahm mir das Junge ab, bot mir auch an, dass ich mitkommen könnte.. es gab zwei wirklich gute Gründe (die ich ihr so nicht nannte) das abzulehnen: zum einen ist der Hof dieser Gänsehalter nicht wirklich so einladend. Sie halten noch mehr Tiere - alles zum Zwecke des Verzehrs..das wollte/will ich nicht sehen.. zum anderen: ich trug quietschbunte kurze shorts (ein Mitbringsel aus Afrika) kombiniert mit nem noch übler bunten T-Shirt..das ganze nicht so reinlich, weil ich die Umstände dies momentan einfach so ergeben, dazu gummipantoffeln und dunkle tennissocken.. :(

Zum Abschied gab ich dem Kleinen noch ein Küßchen, bedankte mich bei der Nachbarin, die wie ich der Meinung war, dass wir dem Küken wohl nen Bärendienst erwiesen hätten..

Die Tiere werden jetzt fett gefüttert. Und um die Weihnachtszeit wird wieder der Rauch aus dem Schornstein steigen, auf dem Hof des Bauern wirds stiller, nachdem Rehe, Enten und Gänse gegen eine paar lumpige Scheine gerupft, gehäutet und ausgenommen den Besitzer wechseln.

Schade, dass unsere Tochter nicht da war. Vielleicht wäre ihr ja was eingefallen, wie wir das wenigstens für "unser" Küken hätten verhindern können.

.. eins auf die 12 .. Nachtrag

Das alte Dach ist gestern mit dem Container vom Hof gegangen. Wieder etwas Altes, dass die neue Zeit nicht überlebt hat. Es hat seinen Dienst getan und ruht nun friedlich auf´m Sondermüll-Altenteil. Vielleicht wird es recycled und kann so wieder am aktiven Leben teilhaben und sich außerordentlich nützlich machen. Falls nicht - danken wir ihm noch einmal für seine unermüdlichen Dienste und gönnen ihm seinen Frieden ...

Die ersten Bahnen des neuen Daches sind unter den fleißigen Händen meines etwas lädierten Bäggors und denen der emsigen Helfer drauf und blitzen schon im Sonnenlicht, haben den ersten Regenguss genossen und sehen doch recht dekorativ aus. Eine nagelneue blink-blink Regenrinne hat ebenfalls ihre ersten Tropfen vom Halb-&-Halb-Dach aufgefangen.

Ja, und mein Blaumännchen steht unermüdlich da oben und schuftet! Bei den heißen Temperaturen der letzten Woche hat er sich gar fies verbrannt. Seine verunfallte Nase ist oberflächlich gut geheilt. Die Platzwunde ist fast gar nicht mehr zu sehen, nur rings um die Einschlagstelle herum ist noch eine kleine Schwellung zu sehen. Er hat keine Schmerzen, die Nase ist nicht kürzer, länger oder krummer als vorher und Gerüche differenziert wahrnehmen konnte er damit ohnehin schon nicht besonders gut - auch da hat sich nix verändert.

Mir wäre es zwar lieber gewesen, wenn er sein Näschen mal nem Arzt vorgestellt hätte - aber da streikt er!

Übrigens: hätte er nicht in dem Moment, als der Rahmen hoch gezogen wurde geniest, dann hätte er diesen voll zwischen die Zähne bekommen (situationsbedingt) - ich mag nicht darüber nachdenken. Er ist froh, dass es "nur den kolben" erwischt hat ...

Liebe Leser, macht euch also bitte keine Sorgen. Drückt bitte die Daumen, dass alles glatt geht, weitere Unfälle vermieden werden und die Arbeiten so bald wie möglich erfolgreich abgeschlossen werden können.

(Dann hab ich auch wieder mehr Zeit und Ruhe zum posten :))